Kritik

Morden und metzeln: Lauwers im Kasino

Lexikon | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Ganz schön durchgeknallt, dieser Caligula. Der römische Kaiser will den Mond besitzen, er mordet, metzelt, erniedrigt, vergewaltigt und beleidigt jene, die ihm am nächsten stehen. Einen "Selbstmord auf höchster Ebene“, hat Albert Camus sein Frühwerk "Caligula“ von 1938 genannt. Nun hat der belgische Theaterzauberer Jan Lauwers, der mit seiner Needcompany "Artist in Residence“ am Burgtheater ist, den Camus-Text im Kasino am Schwarzenbergplatz inszeniert - mit Burg-Kapazundern wie Cornelius Obonya oder Maria Happel sowie zwei Performern aus der eigenen Truppe (Hans Petter Dahl und Anneke Bonnema). Letztere wirken erstaunlich blass, wenn der Spielstil so vom Gewohnten abweicht. Überhaupt: Wer sich eine Needcompany-Produktion erwartet, wird enttäuscht sein. Ganz selten fällt jemand aus seiner Rolle, und selbst Verständnisprobleme und Rückfragen bei der Souffleuse wirken etwas bemüht inszeniert. Nur einmal wird kurz ein Lied angestimmt. Die Leichtigkeit fehlt nicht nur aufgrund der Schwere der Textvorlage. Trotzdem: Das hier ist Staatstheater vom Feinsten!

Zu fast unablässig wummernder Percussionmusik samt Klanginstallation aus 50 (!) Schlagzeugbecken (Musik: Nicolas Field) geht es am römischen Kaiserhof stetig bergab. Kunstblut fließt in Strömen, ein ausgestopfter Gaul wird über die lange, gedeckte Tafel geschleift, zu deren beiden Seiten das Publikum Platz nimmt. Geschirr fällt krachend zu Boden. Doch Porzellan, Becher, Gläser sind unkaputtbar. So wie diese wahnsinnigen Figuren voller Machtgier, politischer Intrigen und ungebändigter Zerstörungswut. Am Ende wird wieder alles hübsch angerichtet auf dem Tischtuch, das mit Folterszenen bedruckt ist. Schließlich kommen die Irren doch noch zum Schnitzelessen und Weintrinken zusammen - selbst wenn sie zuvor gestorben sind.

Burgtheater-Kasino, Do (24.5.) 19.00


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