Theater  Kritiken

Ein Stück Armut: Gorki, romantisiert

Lexikon | Sara Schausberger | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Wie viele Menschen können auf einem Haufen leben? In "Nachtasyl“ sind es viele. Allesamt sind sie arm, die meisten dem Alkohol zugeneigt, eine von ihnen ist fast schon tot. Privatsphäre gibt es nicht, der Wahnsinn liegt in der Luft, Mord und Totschlag auch. Maxim Gorki hat das Stück vor mehr als hundert Jahren geschrieben, an Aktualität hat es nicht verloren. Babett Arens’ Inszenierung romantisiert: Die Bühne (Eva Gumpenberger) ist ein Sammelsurium an antiquarischen Gegenständen; zwischen Betten, Sesseln und Waschtischen sind auch Vogelkäfige und Globen zu finden. Ein Akkordeonist spielt Balkanmusik - Gorki war Russe -, und nur ein Fernseher stellt den Bezug zum Heute her, mit Einspielungen zur Arbeitslosenrate und zur Konsumgesellschaft. Ein bemühter Abend, der nie ganz greifen mag.

Scala, Fr, Sa, Di, Mi, Do 19.45 (bis 16.6.)


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