Kunst  Kritik

"Ohne Titel“ — die Kunst des Neoneogeo

Lexikon | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Das Rechteck ist wieder da. Eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern bedient sich abstrakter Ausdrucksmittel, erweist der Anmut der Geometrie und des Farbfelds ihre Reverenz. In der von Alex Lawler und Frank Altmann kuratierten Ausstellung "Afterimage“ stellt ein Dutzend Künstler aus, die allesamt wirken, als würden sie Cool Jazz der 50er-Jahre hören und Industriedesign studiert haben. Der oftmalig verwendete Werktitel "Untitled“ appelliert an die Projektionskraft des Betrachters. Robert Dowling (Jg. 1979) spannt Stoffe über ein Gitter; die gebogenen Gitterstäbe lassen den Stoff plastisch hervortreten. Das Werk erinnert an Lucio Fontana (1899-1968), der mit perforierten Leinwänden räumliche Wirkungen erzielte, ohne auf die illusionistischen Wirkungen gemalter Malerei zurückgreifen zu müssen.

Marita Fraser (Jg. 1969) stellt das Gerüst eines Paravents in den Raum. Die schwarzen Leisten wirken wie Bilderrahmen. Ein geometrisch gemusterter Vorhang - Ton in Ton - hängt an dem Gestell, das auch einem Bild als Aufhängung dient. Auf diese Weise lässt die Künstlerin Inneneinrichtung und Kunstobjekt zusammenwachsen - wie die "konkreten“ Künstler vor einem halben Jahrhundert, die damit die Warenwelt ein bisschen demokratischer machen wollten: jedem seine Mondrian-Tapete! Die universalistische Zeichensprache der Nachkriegszeit wird hier als Bühnenbild für das Drama Fortschritt inszeniert, wenn auch mit leiser Wehmut. Im Retrofieber des Neoneogeo tanzt Steffi Alte (Jg. 1980) aus der Reihe. Die Künstlerin reihte ein Dutzend schlichter, selbstgebauter Bettgestelle aneinander, was sich als Hommage an Raster und Rhythmus interpretieren lässt. Gleichzeitig verbreitet die Bettenburg auch eine räudige Lagerstimmung. Zieht euch warm an! Der nächste Crash kommt bestimmt. MD

Kunsthalle Exnergasse, bis 2.6.


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