"Dido und Aeneas“ von Henry Purcell in der Oper: englisches Barock im Weichzeichner

Lexikon | Kritik: Herbert Schranz | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Mit "Dido und Aeneas“ von Henry Purcell präsentiert die Oper Graz nach langer Barockpause erfreulicherweise wieder eine frühe Oper. Genauer gesagt die früheste eigentliche englische Oper. Konzis im Ausdruck ist sie nach einer Stunde vorbei und breitet sich nicht aus wie die damaligen italienischen oder französischen Opernfeste. Was ihre Tanzrhythmen anbelangt, so steht "Dido und Aeneas“ in der strengen französischen Tradition. So es Tanzeinlagen gab, waren die Bewegungen abgezirkelt wie die Geometrie französischer Gärten; die lockeren englischen Gärten, nach deren Vorbild Darrel Toulon (Choreografie und Inszenierung) seine Tänzer als völlig freie Individuen tanzen zu lassen scheint, waren dem 17. Jahrhundert fremd. So bestand bei Toulon die Gefahr, an Bündelung der Kräfte zu verlieren, und man erlag ihr, da die singenden Protagonisten und der Opernchor kein schärfer gezeichnetes Gegengewicht zu den freien Bewegungen der Tänzer bilden konnten, die die inneren Vorgänge der Hauptfiguren malten. Ivan Orešèanin gab den Aeneas als Softie, Nazanin Ezazi die Dido als von ihren Leiden allzu gedrückte Frau. Wohltuend prägnant führte Margareta Klobuèar als Belinda durch die Oper. Die Grazer Philharmoniker unter Johannes Fritzsch schufen ein stabiles, musikalisches Gerüst.

Musikalische Bewegung, die ein Publikum bewegen könnte, kam in Christian Josts angeschlossenem Auftragswerk "DnA - six images of love“ weitgehend zum Erliegen. Kompositorische Griffe in die Mottenkiste ergaben einen zähen Musikstrang, den auch die Virtuosität der Tänzer nicht beleben konnte.

Oper Graz, Sa 19.30 (bis 1.7.)


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