Venus in Lumpen, Besucher im Spiegel

Lexikon | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Die Neue Galerie zeigt das Frühwerk des italienischen Malers und Arte-povera-Vertreters Michelangelo Pistoletto

Angefangen hat alles in einer staubigen Werkstatt im italienischen Biella in den 1940er-Jahren. Ein 14-jähriger hilft dort seinem Vater beim Restaurieren von Gemälden, beginnt mit reflektierenden Oberflächen wie Bootslack und Gold zu experimentieren und versucht sich an ersten Selbstporträts. Der Junge war Michelangelo Pistoletto, aus ihm wurde einer der bekanntesten europäischen Maler, Aktions- und Objektkünstler wie auch Kunsttheoretiker, dessen Werke in Häusern wie dem New Yorker Museum of Modern Art oder der documenta zu sehen sind.

Sein Frühwerk von 1956 bis 1974 zeigt nun die Neue Galerie im Grazer Joanneumsviertel. Die wie Ikonen wirkenden Selbstporträts gehören ebenso dazu wie die Spiegelbilder: Schauen die Betrachter auf die auf Spiegel angebrachten Fotos, werden sie zu Teilen der Bilder, zu Eindringlingen, Opfern oder Gefangenen, sie finden sich im Spiegel der


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