Peter Gerwin Hoffmann in der Werkstadt Graz: ein Falschmünzer für Afrika

Lexikon | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Peter Gerwin Hoffmann ist ein gesellschaftskritischer Künstler. Dass Kunst für ihn nicht politisch wertfrei sein kann, zeigte sich schon in den 1970er-Jahren deutlich, als er die Verteilung des Kulturbudgets und den Kunst- und Kulturbegriff derer, die daraus mehr als andere bekommen, hinterfragte. Dass er komplexe Zusammenhänge in einprägsamen Bildern diskutieren, gängige geschlechtsspezifische Rollenbilder oder machtkonforme Repräsentationstechniken via Persiflage offenlegen kann, zeigte er damals in Politikerporträts oder im Nachstellen der Krone-Seite-5-Nackerten.

Seinen sozialpolitischen Ansprüchen ist er bis heute treu geblieben, seit sechs Jahren beschäftigt er sich mit Afrika als dem Paradeopfer kapitalistischer Ausbeutung. In der Werkstadt Graz zeigt die Ausstellung "leichte beute. für afrika“, dass sein dazu konsequent verwendetes Formvokabular nichts an Plakativität, aber auch Raffinesse verloren hat. Durchdekliniert wird die Kaurimuschel, die lange als erfolgreiche Gemeinschaftswährung in Afrika, Ost- und Südasien und in der Südsee verbreitet war und noch bis ins 20. Jahrhundert als Zahlungsmittel diente, dabei aber auch erotischen Anspielungsreichtum in sich birgt. Geld war immer schon sexy. Hoffmann findet die Kaurimuschel in der gequetschten Bierflaschenkapsel wieder, überzieht damit Bierflaschen in unterschiedlichen Varianten liturgischer Farben oder fertigt aus seinem Falschgeld allerlei Schmuck, der afrikanischem Kunstgewerbe täuschend ähnlich kommt und auf den Punkt bringt, was wir an Preziosen übrig haben, für Afrika.

Werkstadt Graz, bis 2.6.


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