Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Sollten Sie, geschätzter Leser und geschätzte Leserin, sich mit dem Gedanken getragen haben, demnächst in unsere Redaktionsräumlichkeiten einzubrechen, um zum Beispiel Florian Klenks Aktenschrank zu knacken, Armin Thurnhers legendäre Sammlung von Klavierstimmerhämmerchen aus dem frühen 19. Jahrhunderts zu stibitzen oder mir mein Teeservice aus der Ming-Dynastie zu mopsen, muss ich Sie doch bitten, davon Abstand zu nehmen. Und dies nicht einmal aus bloßem Eigeninteresse, sondern auch, um Ihnen Ärger, Frust und etwaige juridische Unannehmlichkeiten zu ersparen. Es tut mir leid, Ihnen dies mitteilen zu müssen, aber Ihre Zögerlichkeit hat Sie einmal mehr um die Früchte eines ohnedies unwahrscheinlichen Erfolges gebracht, der mittlerweile als schlechterdings unmöglich gelten muss.

Nach langem Überlegen konnte sich die Leitung dieses Hauses nämlich dazu entschließen, die historische Doppelflügeltür aus Balsaholz, die man mit einem Buntbartschlüssel oder durch lautes Husten öffnen konnte, durch ein Vollholzmodell zu ersetzen und mit einem topmodernen Sicherheitsschloss zu versehen. Zwei Werktage lang wurde gesägt, gebohrt, geschweißt, geschliffen, gebeizt, gelackt und gesaugt, jetzt ist unsere Security State of the Art. Das betrifft übrigens auch die Redaktion selbst: Der Kopierer verfügt über ein Stimmerkennungsprogramm, die Kaffeemaschine kann nur mit einem achtstelligen, individualisierten Passwort in Betrieb genommen werden, und aufs Klo gelangt man nur nach einem Iris-Scan.


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