Kommentar  

Wer ist schuld an Shermin Langhoffs Rückzieher?

Wiener Festwochen

Falter & Meinung | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Vor einem Jahr wurde Shermin Langhoff als künftige stellvertretende Intendantin der Wiener Festwochen vorgestellt. Die Pressekonferenz war so überhastet angesetzt worden, dass nicht einmal Zeit blieb, den leer ausgegangenen Bewerbern vorher die Absagebriefe zuzustellen. Jetzt zog Langhoff die Notbremse: Statt 2014 gemeinsam mit Markus Hinterhäuser die Festwochen zu übernehmen, bleibt sie in Berlin und wird 2013 Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters.

Die gebürtige Türkin, die sich als Leiterin der Off-Bühne Ballhaus Naunynstraße profiliert hat, sollte bei den Festwochen vor allem ihr Know-how in Sachen "postmigrantisches Theater“ einbringen - eine Thematik, die der rot-grünen Koalition ein besonderes Anliegen ist. Für diese Job-Description ist eine ähnlich prominente Alternativlösung nicht in Sicht.

Wer ist schuld an der Misere? Zunächst natürlich die wortbrüchige Langhoff. Sich zuerst als Co-Intendantin feiern lassen, dann aus "familiären Gründen“ absagen und kurz darauf als Intendantin aufpoppen - das ist keine gute Optik (auch wenn sie vielleicht wirklich gute Gründe hatte).

Der Fall ist aber auch für den Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny (und den Festwochen-Präsidenten Rudolf Scholten) peinlich: Wie sich jetzt nämlich herausstellte, fiel Frau Langhoff der Rücktritt von ihrem Vertrag mit den Festwochen deshalb so leicht, weil sie diesen Vertrag noch gar nicht unterschrieben hatte.

Mailaths Versäumnis hat seinem Berliner Kollegen, dem Kulturstaatssekretär André Schmitz, aus der Bredouille geholfen. Für den war’s höchste Zeit, einen Intendanten für das nächstes Jahr vakante Gorki-Theater zu finden. Dort hat Shermin Langhoff übrigens bereits unterschrieben.


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