Mediaforschung  

Hast du ein Geldproblem? Dann frag doch die Nachbarin!

Nachfragekolumne

Medien | Sibylle Hamann | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Die Truppe schaut aus, als hätte sie eben die erste Runde einer Castingshow überstanden. Der Look: Camouflage bis casual. Hier viel Gel, dort ein bisserl Leder. Jeans: alle. Übergewicht: keiner.

Dominik ist Torjäger beim Radball, Ömer der King auf dem Dancefloor. Anita wirft sich in einen Fallschirmspringeranzug und surft im Windkanal. Benjamin spielt Luftgitarre, bis die Mädchen kreischen. Victoria ist Champion im Geldsackhüpfen. Rasant geht’s quer durch die Sparkassenfiliale in einem oberösterreichischen Einkaufszentrum.

"Diese Herausforderung geht bis an die Schmerzgrenze“, sagt der Moderator. Und wäre Baku nicht gewesen, wäre "die unglaubliche Traktorchallenge mit den Trackshittaz“ vielleicht noch ein bisschen geiler ausgefallen. Das Bankgeschäft ist in diesen Tagen ganz sicher "der ultimative Härtetest“. Es ist wohl eine ziemliche Challenge, als Kundenbetreuerin täglich über aktuelle Renditen und Gebühren zu reden; und es geht tatsächlich an die Schmerzgrenze, einem Schuldner erklären zu müssen, warum der Fonds, in den er seit vielen Jahren einzahlt, leider, leider doch nicht reichen wird, um den Fremdwährungskredit zu tilgen.

Wir verstehen es deshalb total gut, wenn die Kundenbetreuer stattdessen lieber was anderes machen. Etwas Geileres. Sackhüpfen oder Luftgitarre spielen, zum Beispiel. Wie das läuft mit dem Bausparvertrag oder mit den Leasingraten fürs Moped - da kann man ja immer noch die Nachbarin fragen oder den Onkel Kurt.


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