Neorealismus in Zeiten des Neoliberalismus

Feuilleton | Vorschau: Joachim Schätz | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Die Viennale-Schau "Real America“ erfasst die USA von ihren Rändern her

Taxifahrer Solo (Souléymane Sy Savané) hat schon einiges gesehen, die Anfrage des neuen Passagiers bringt ihn trotzdem aus der Ruhe: In zehn Tagen will der ältere Herr zu einer Klippe im nahen Nationalpark gebracht werden. Da er keine Rückfahrt bucht, liegen Selbstmordpläne nahe. Solo lässt sich auf den (großzügig bezahlten) Deal ein, in den folgenden Tagen wird er sich aber mit unverschämter Fürsorglichkeit in das Leben seines ruppigen Kunden drängen.

"Goodbye Solo“ (2008) des Amerikaners Ramin Bahrani hat alles, was vorauseilend harmloses Arthouse-Unterhaltungskino braucht: ein sonniges Naturell, einen griffigen Konflikt zwischen Lebenslust und Bärbeißigkeit, sogar ein selbstbewusstes Kind. Zu den Floskeln wohlmeinenden Versöhnungskinos aber hält Bahrani Abstand. Seine Darsteller, unbekannte Professionals wie Laien, verleihen den Figuren markante Präsenz und Charisma, aber auch eine Undurchdringlichkeit,


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