Grace heißt jetzt wieder Afemefuna

Feuilleton | Sammelkritik: Sigird Löffler | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Die Literatur aus Nigeria beschreibt den kolonialen Identitätsdiebstahl ebenso wie die Zerrissenheit des Landes

Worin äußert sich die Fremdheit zwischen Afrika und dem Westen am deutlichsten? Im Zeitgefühl und in den Eigennamen.

In Nigeria etwa, dem multiethnisch zersplitterten Ölstaat in Westafrika, drehen sich seit je die Jahre um sich selbst, im steten Wechsel zwischen der Regenzeit und der Trockenzeit des Wüstenwindes Harmattan, sodass die britischen Kolonialherren sich fragten, ob es das in Afrika überhaupt geben kann: eine historische Zeit, eine Geschichte. Und für die weißen Missionare bedeutete Taufen immer zugleich Umtaufen: Mit dem Ahnenglauben ihrer Väter mussten die Täuflinge auch ihre afrikanischen Namen ablegen und verloren damit einen Teil ihrer Identität. Aus Anikwenwa ("der Erdgott Ani hat endlich ein Kind geschenkt“) wurde Michael, aus Afamefuna ("mein Name wird nicht verloren sein“) wurde Grace.

In ihren Erzählungen kommen die junge Nigerianerin Chimamanda


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