Buch der Stunde

... und fröhlich ein Pogrom entfacht

Feuilleton | Daniela Strigl | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Albert Drachs "Goggelbuch“ ist so etwas wie der deutsche Schelmenroman im Bonsai-Format; das heißt auch, mit allem, was dazugehört: einem Helden zuvörderst, der, Diener aus Gewohnheit, "Knecht aus Leib und Seele“, in den Strudel der Zeiten gerät, aber selbst mehr als ein Grobian ist, nämlich, wie Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus, ein Vergewaltiger, Räuber und Mörder. Mit einem Wort: Xaver Johann Gottgetreu Goggel straft seinen Namen Hohn, gebärdet sich auf dem Weg zu seinem Dienstherrn Baron von Hahnentritt zwar als Gockel, niemals jedoch gottesfürchtig.

Rechtsanwalt Dr. Albert Drach (1902-1995) schrieb das "Goggelbuch“, gehetzt von den Nazis, 1942 im französischen Exil, und dies spielt hinein in die hier haarsträubend ausgemalte Zeit der Inquisition. Als Goggel fröhlich ein Pogrom entfacht und einen alten Juden anstänkert, wird der "frech, beteuert, seine Heimat wäre die ganze Welt und er möge keinen wie den Goggel“ und haut diesen zusammen.

So hat Drach sich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige