Nüchtern betrachtet 

Kraniche stelzten über mich hinweg

Feuilleton | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Diese Kolumne wurde um zehn vor sechs Uhr morgens begonnen. Das ist natürlich schiere Angeberei, aber auch die reine Wahrheit. Hier, im rechten oberen Eck meines Schirms steht’s, beziehungsweise stand’s: 05:50 - jetzt eh schon 05:53. Es ist dies nicht meine übliche Zeit, den Samen des Kolumnenkorns zu säen, aber als ich vor mittlerweile 25 Minuten erwuch und mich, wenn schon nicht putz-, so doch auch nicht unmunter fühlte, dachte ich, es wäre gut, schon mal was wegzuschaffen, solange der Tag jung und die Stund’ reich an goldenen Würmern ist. Geträumt hatte ich übrigens nicht von Würmern, sondern von Vögeln, Kronenkranichen, um genau zu sein, die in der Baumkrone, in der ich lag und mit überreifen Äpfeln um mich warf, lässig über mich hinwegstelzten - eine Szene so luftig und elegant wie die Bambuswaldsequenz aus "Crouching Tiger, Hidden Dragon“.

Es gibt Leute, die behaupten,


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