Prost!  

Der Likör als Seelenschmeichler: die guten und die schlechten

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Likör

Stadtleben | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Bei Likör denkt man an Omas Spiegelvitrine, an bunte Gläschen samt klebriger Flüssigkeit, begleitet von der lieben Killerformel "Kann ich dir etwas aufwarten?“. Trunken von Anekdoten und fatalen Alkohol-Zucker-Mischungen taumelte man anschließend aus der behaglichen Wohnzimmerlandschaft. Die flüssige Bandbreite reichte von Eierlikör über Gurktaler Kräuterlikör bis zu Martini Bianco (kräuteraromatisierter Wein). Nun, Likör hat nun einmal die Aufgabe, lieblich zu sein. Bloß hängt es wie oft im Leben von der Teamfähigkeit der Ingredienzien ab.

Nonnen und Mönche setzten Kräuter und Früchte im Schnaps an, um vor allem eine "medizinische“ Wirkung zu erzielen. Der Likörerzeugung im großen Stil hat sich das Stift Engelszell in Oberösterreich, nahe der deutschen Grenze gelegen, verschrieben. Bewirtschaftet vom strengen Orden der Trappisten wird seit 1929 eine Kräuterrezeptur eines Schweizer Apothekers in hübsche Fläschchen mit betont traditionellem Design abgefüllt.

Das Sortiment ist mittlerweile auf 15 aromatisierte Feuerwässerchen angewachsen. Verkostet wurden: Kräuter-, Waldbeeren- und Nusslikör, Magenbitter. Der Kräuterlikör ist eine Wucht, geschmacklich perfekt aufeinander abgestimmt und als Digestif am Ende eines üppigen Essens mehr als geeignet: duftig, herb und richtig gesüßt. Waldbeere erinnert zu sehr an Oma. Walnuss konnte zwar abgebildet werden, nur ist sie wirklich viel zu süß ausgefallen. Der Bestseller Magenbitter ist für das bekömmliche Ende einer Völlerei gedacht. MS


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