Phettbergs Predigtdienst

Wenn sie mich hätten lassen können wollen!

Kolumnen | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

www.mobil-leben.at in Gestalt von Rudi erschien Frau Göbel und mir! Wir tauschten Mailadressen aus, tranken Kaffee mit Wasser, aßen dazu Kipferl und prosteten uns zu. Frau Göbel fotografierte uns. Herr Rudi hatte mit 40 eine Hirnthrombose, seither ist er in Obhut seiner Gattin. Rein zufällig war er mit seinem Computerfahrzeug unterwegs und fuhr mit der U3 hierher, und als wir Kaffee tranken, kam er frisch-froh-munter in die Sonne und bremste sich ein, als er uns traf! Herr Rudi kann kaum reden, ich kann kaum lesen, aber wo ein Wille ist, ist ein Weg.

In der Diskussion im Albert-Schweitzer-Haus, wo ich über die Schönheit junger Männer zu sprechen hatte, konnte ich mich natürlich nicht benehmen und war fest schlimm, mea culpa. Nie werd ich nach meinem Benehmen je wieder auf ein Podium gebeten werden. Da ich keinen Krümel Brot mehr daheim hatte, bat ich die Vorsitzende der Evangelischen Akademie Wien um Vollkorngebäck. Bei der Fahrt im Taxi kam mir in den Sinn, wie ich wohl Podium & Publikum meine Idee einer Hochschule für Pornografie und Prostitution schmackhaft machen könne, wo es mir nicht einmal gelang, in allen Äonen meiner Versuche, ein Proponentenkomitee zusammenzutrommeln.

Ich bin wie ein Weltall, das nach dem Urknall so weit voneinander ausstob, dass kein Hauch mehr davon zu finden wär! Der Urknall Jesu Christi mit dem gebrochenen Brot wurde all-um-all eingenommen. Alle männlichen Anwesenden waren so perfekte Persönlichkeiten, dass ich mich auf der Stelle hingekniet hätte und, wie ein Hund, an jeder Stelle ihres Körpers zu lecken begonnen hätte, wenn sie mich hätten lassen können wollen!

Ich vermute, dass ich der Einzige bin, der nie das Wort "ich begehre/liebe dich“ vernommen hat. Alles drehte sich darum, wie sich Menschen attraktiv machen, ich aber bin mit meiner Not, die sich in einer Hochschule für Pornografie und Prostitution niederschlug, spurlos zugrunde gegangen. Der Pfarrer tröstete mir in seiner abschließenden Predigt das Wort "runde dich“ zu. Kein Mensch scheint nach meinem gestrigen Scheitern, wo ich "ihnen“ nur das Abschlusswort "lest wenigstens meine Gestion!“ entgegenwarf, auch nur zu ahnen, was ich meinte!

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