Selbstversuch

Die Mimis werden übrigens zehn

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 22/12 vom 30.05.2012

Aber in Wirklichkeit ist der Teutonengriller super. Beziehungsweise wird er super gewesen sein und sich wunderbar beim Würstelgrillen bewährt haben, während des Kindergeburtstags. Was ich jetzt in beschwörerischer Absicht einmal so dahinschreibe, denn die Party liegt ja, während ich das hier kolumniere, noch vor mir, wird aber, während das gelesen wird, schon vorbei sein, und ich hoffe sehr, dass meine Prophezeiungen diesmal eintreffen. Ist ja nicht immer so, denn als ich unlängst behauptete, dass wir am Fenstertag vor dem 1. Mai die Kinder vom Land in die Schule und dann wieder zurückgefahren haben werden, hat es dann nicht gestimmt, weil in der Wirklichkeit eins der Kinder krank geworden ist, tatsächlich, echtes Fieber und alles, was uns dann natürlich kein Mensch geglaubt hat: ja, sicher, grins … Ja, ehrlich!

Aber so ist das mit der Scripted Reality, sie hält sich nicht immer ans Drehbuch. Diesmal bitte schon: Die Geburtstagsparty war also lustig und ganz unstressig, die Kinder hatten Spaß, die Erwachsenen verstanden sich prächtig, das Essen hat allen geschmeckt, das Wetter war perfekt. Und der Lange war spitze. Der Lange hat nämlich gesagt, er schmeißt heuer nicht die Nerven weg; heuer, sagt der Lange, biegt er das ganz gelassen weg, heuer findet er das alles ganz prima, heuer sieht er das so, dass man derlei ja eh nur einmal im Jahr hat und dass es zwar anstrengend ist, aber auch schön. (Nein, keine Therapie, eine Art Autogehirnwäsche; hat er sich ganz selbst verpasst.) Und spannend sei es auch, weil man am eigenen Tisch wieder ganz neue Menschen kennenlernen wird.

Denn es ist ja so, dass die Mimis einladen, ist ja ihre Party. Wir wissen im Prinzip gar nicht genau, wer kommt, und lernen auf diese Weise jedes Jahr neue Menschen kennen, die als Eltern von Freunden der Mimis an unseren Tisch gespült werden. Ah, die Mutter vom X, der Vater von der Y bist du also, willkommen, nimm dir einen Sessel, was trinkst du? Auf diese Weise redet man auch einmal von anderen Dingen als normal. Ist interessant. Und man sieht auch, wie andere Leute mit ihren Kindern umgehen, ist auch interessant. Ach, so kann man das also auch machen, hmm, o.k.

Die Mimis werden übrigens zehn, und als es uns schon letzte Woche via Freunde einen Fremden zu uns ins Waldviertel geschwemmt hat, wurde mir so richtig klar, wie lang das ist, zehn Jahre. Weil, wie sich dann herausstellte, war der Fremde eh nicht so fremd, weil aus Zürich, und er kannte von Haemmerli über Honzo bis Campolongo alle meine Zürcher Freunde. Den Schweizer wollten wir gleich über den Sommer im Waldviertel behalten, denn es handelte sich um ein Exemplar der raren Spezies von Erwachsenen, die richtig saugern mit Kindern spielen, Tischtennis, Activity, was immer, der hat echt Spaß dabei.

Wir hätten den gleich für die Party engagieren sollen, aber die war auch so perfekt, danke.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige