Kommentar

Liebe Selbstermächtigte: Schließt die Praxen und lernt Beistrichregeln!

Sprachkritik

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Karl Marx hat Hegels Ausspruch, alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen würden sich zweimal ereignen, mit den Worten kommentiert: "Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“

Es spricht einiges dafür, dass man nun Marx ergänzen muss: "Er hat vergessen hinzuzufügen, dass die Reprisen der Farce keinerlei Begrenzung unterliegen.“ Wer je mit studentischer Politik befasst war, weiß das. Wer das ausgelassen hat, mag vielleicht in Robert Menasses Roman "Die Vertreibung aus der Hölle“ nachlesen, wie man stalinistische Schauprozesse nachstellt. Erschossen wurde man dabei zum Glück nicht mehr, aber Spaß war es auch keiner.

Leider steht zu befürchten, dass der verbiesterte Wille zum Ernstfall, durch den sich Revolutionssimulationen das nötige Pathos erschleichen, relativ zäh ist. Dass die Fraktionskämpfe umso verbitterter geführt werden, je unbedeutender das Biotop ist, in dem sie stattfinden, wäre jedenfalls nichts Neues.


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