Am Apparat  

Woher bekommen Sie jetzt 120 neue Piloten, Herr Braun?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Seit Sonntag steht es fest: 120 von 600 Piloten und 221 Flugbegleiter verlassen die Austrian Airlines nach dem Betriebsübergang zur Tyrolean. Der Konzern hat nur knapp einen Monat Zeit, sie zu ersetzen. AUA-Sprecher Michael Braun ist zuversichtlich, dass man trotzdem ohne Änderungen im Flugplan zurechtkommen wird.

Herr Braun, startet die AUA jetzt eine große Anwerbeoffensive?

Nein, so etwas spricht sich sowieso schnell herum, und wir bekommen auch laufend Blindbewerbungen. Es wird eine kleine Lücke geben, aber die können wir schließen: Piloten der Tyrolean wechseln von Teilzeit auf Vollzeit, und noch vor dem Sommer kommen etwa 40 Piloten zurück, die gerade in Umschulung sind, weil sie den Flugzeugtyp wechseln. Außerdem unterstützt uns die Lufthansa-Gruppe.

Unterstützung durch die Mutterfirma klingt nicht nach einer langfristigen Lösung.

So kommen wir über den Sommer. Dann, im vierten Quartal, fliegt man saisonal immer deutlich weniger. Und bis zum Frühling 2013 werden wir neue Piloten und Flugbegleiter aufnehmen.

Wo werden die herkommen? Die Ausbildung zum Piloten dauert fast zwei Jahre.

Wir haben noch einige in den Kursen, die ihre Ausbildung bald fertig haben. Und es gibt Airlines, die vor kurzem den Betrieb aufgegeben haben - Malev oder Spanair etwa -, da gibt es gut ausgebildete Piloten am freien Markt.

Es soll Konflikte zwischen den AUA- und den Tyrolean-Mitarbeitern geben.

Es gibt schon unterschiedliche Kulturen - Tyrolean wurde als Privatunternehmen gegründet und hatte schlanke Strukturen, die AUA war staatlich und sehr groß. Unsere Aufgabe ist jetzt, die Gräben zuzuschütten. Ich bin zuversichtlich. Mit dem Betriebsübergang haben ja jene Mitarbeiter, die sich nicht vorstellen konnten, je mit Tyrolean-Leuten zusammenzuarbeiten, das Unternehmen verlassen.

Gespräch: Ruth Eisenreich


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