Mediaforschung  

Zum Glück hatte Moses seine alte Tasche dabei

Nachfragekolumne

Medien | Sibylle Hamann | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Der Kahn ist von Hand gezimmert. Es sieht nicht so aus, als ob man in diesem seichten, von Teichrosen zugewachsenen Tümpel weit fahren könnte, und Ruder ist ja auch keines da.

Aber fahren muss Angelina Jolie gar nicht. Sie hat etwas Grundsätzlicheres zu sagen. Der Bug ihres Kahns weist mitten in den kambodschanischen Dschungel hinein, ins Unbekannte. Reisen, will uns das zeigen, bedeute, sich der Fremdheit auszusetzen, ohne zu wissen, was einen dort erwartet.

Und ausgesetzt wirkt Angelina ja tatsächlich, wie Moses in seinem Weidenkörbchen. Barfuß. Da erlebt man das Fremde noch intensiver, schutzloser. Nimmt die Wärme der Holzplanken wahr, ihr leisestes Zittern. Mal schauen, wohin einen die Wellen tragen. Reisen, sagt Jolie, kann ein Leben verändern. Und bei diesem Aufbruch ins Unvertraute ist es gut, wenigstens eine vertraute Reisetasche dabeizuhaben. Wäre es so, es wäre schön.

Meistens ist es jedoch umgekehrt. Meistens ist Reisen die Fortsetzung des Eh-schon-Vertrauten, auf dem nichts, aber auch gar nichts Unvorhergesehenes passieren darf, andernfalls wird auf Schadenersatz geklagt. Im Club schaut’s aus wie zu Hause, am All-inclusive-Buffet gibt’s das gleiche Bier wie daheim, und auf einem Kreuzfahrtsschiff läuft einem garantiert kein Unbekannter über den Weg. Da ist die Reisetasche dann das einzige Accessoire, das einen daran erinnert, dass man nicht zu Hause ist. Was natürlich ein ebenso guter Grund ist, sich eine zu kaufen.


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