"Three Kingdoms“: durch drei Länder und drei Theaterwelten ins Herz der Finsternis

Feuilleton | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

 Der abgetrennte Kopf einer Prostituierten wurde aus der Themse gefischt; zwei Londoner Polizeibeamte suchen nach dem Täter. "Three Kingdoms“ von Simon Stephens ist ein trilateraler Krimi; die Spur des mysteriösen Falls führt zu einem Pornoregisseur nach Deutschland und schließlich weiter zu einem Mädchenhändlerring nach Estland.

"Three Kingdoms“ beschreibt aber auch eine Reise ins Herz der Finsternis; das Stück wird immer surrealer, der zutiefst verstörte Inspektor Stone (wunderbar zerknautscht: Nick Tennant) weiß am Ende selbst nicht mehr, was er glauben soll. Ist sein deutscher Kollege Dresner (schön sinister: Steven Scharf) tatsächlich der Böse, dem er die ganze Zeit auf der Spur war? Oder bildet er sich das alles nur ein?

Ihren eigentümlichen Reiz verdankt die Aufführung zunächst dem Umstand, dass hier Schauspieler aus drei verschiedenen Theaterwelten zusammen spielen: Brillante britische Schule trifft auf expressive deutsche Schauspielkultur und das sehr körperliche Spiel der jungen estnischen Akteure.

Sebastian Nüblings Inszenierung (im kühlen Betonbühnenbild von Ene-Liis Semper) ist immer wieder sehr komisch - etwa wenn die englischen Kommissare erstmals ihrem deutschen Kollegen begegnen, der den beiden Beatles-Hassern ausgerechnet einen Beatles-Song vorsingt, oder in der grotesk-drastischen Szene eines Pornodrehs. Sie kann aber auch ganz schön brutal und unheimlich werden. WK


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