Kraliceks Festwochentagebuch  

"Ein Österreicher kann mir nicht das geben, was ich als Frau brauche!“

Notizen eines Festivalbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (4)

Feuilleton | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Wolfgang Kralicek sieht fast jede Vorstellung der Wiener Festwochen

Donnerstag, 31. Mai: Liebes Tagebuch! Heute haben die Festwochen ihren Höhepunkt erreicht. Die im Rahmen des Forum Festwochen produzierte Doku-Performance "Made in Austria“ fand auf dem höchsten Gebäude Österreichs, dem Donauturm, statt. Im Cafébereich (Höhe: 161 Meter) lässt Oleg Soulimenko neun Wienerinnen und Wiener mit Migrationshintergrund ihre Geschichte erzählen; das Publikum sitzt an Tischen, alle zehn Minuten kommt ein neuer Mensch mit einer neuen Geschichte vorbei.

Mir haben am besten die türkische Volksschullehrerin und die armenische Opernsängerin gefallen. Die Türkin legt Wert auf gepflegtes Äußeres, von ihren Schülern wird sie dafür mit Komplimenten ("Sie riechen so gut, Frau Lehrerin!“) belohnt. Die Armenierin hatte noch nie einen österreichischen Freund, weil sie sich sicher ist: "Ein Österreicher kann mir nicht das geben, was ich als Frau brauche!“ Der unprätentiöse Abend ist ein

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