Die moralische Autorität des Schwertes

Feuilleton | Porträt: Gerhard Midding | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Graziöser hat keiner Schwertkämpfe choreografiert: Eine Retrospektive im Filmmuseum würdigt King Hu (1931-1997), den Meister des Wuxia

Nur wenige Regisseure weisen eine solch tiefe innere Verwandtschaft zu ihren Figuren auf wie King Hu. So wie ein erfahrener Schwertkämpfer die eigene Virtuosität vorerst im Wartestand hält, dynamisiert er den Erzählfluss seiner Filme zunächst nur dezent - etwa, wenn sich die Kamera zu Beginn von "Come Drink with Me“ dem Anführer der Banditen in einer leicht ansteigenden Bewegung nähert, während dieser seinerseits entschlossen der Kamera entgegenschreitet.

Solch diskrete Gesten der Inszenierung werden den meisten Zusehern nicht auffallen. Dennoch werden sie insgeheim spüren, dass hier auf raffinierte Weise dem folgenden Drama der Boden bereitet wird, denn die behände absichtsvolle Bewegung im Raum ist bei King Hu bereits eine filmische Attraktion von hohen Graden. Sie kündet von beherrschter Gewaltbereitschaft. Mit rabiater Umsicht nehmen seine


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