Saxofonsynthese von Free Jazz und Wienerlied - und Madonna nahm er auch noch mit


Nachruf: Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

In dem Dokumentarfilm "Malli - Artist in Residence“ (1993), der ihm zumindest unter seinen Arbeitskollegen zu Ruhm verhalf und aufs Cover des Falter brachte (siehe Foto), sagt Walter Malli einmal in seinem unverwechselbaren Idiom: "I bin kaa Musiker, sondern Inschtrumentalist. I bin tätig ois Inschtrument.“

Da ist was dran. Der gebürtige Grazer, der zunächst auch Schlagzeug spielte, um sich schließlich - wie sein berühmter Kollege Steve Lacy, mit dem er auch zusammengearbeitet hat - ganz aufs Sopransaxofon zu konzentrieren, hat auf diesem einen Idiolekt "gesprochen“, der um nichts weniger eigen war als seine Sprachimprovisationen: voll weiter Intervallsprünge, schräger Harmonien, irrlichternder Stakkati und schmutzig-schöner Färbungen, die er auch am Wienerlied so liebte. Der passionierte Pfeifen- und Virginiaraucher war sozusagen programmatischer Oralerotiker und brachte den amerikanischen Free-Jazz-Heiligen Albert Ayler (1936-1970) und die Wiener Dudlerin Trude Mally (1928-2009)

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