Menschen

Jagger & Sammler

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Das ehemalige Supermodel Bianca Jagger war in der Stadt. Das merkte man vor allem an Pressemeldungen, die ein geplantes Staudammprojekt im Amazonas-Regenwald betreffen und an dem wohl auch zwei österreichische Unternehmen beteiligt sind. Und an der Tatsache, dass Frau Jagger gerne mal ihre animalische Printhandtasche auf Kunstwerken abstellt, über die kurz zuvor noch Museumsdirektorinnen geredet haben. Im 21er-Haus war es, wo der Künstler Hans Schabus aus Baumstämmen die Buchstaben für das Wort "Museum“ gebildet hat (mit einer Schreibmaschine wäre das mit weitaus weniger Mühe geglückt). Zuerst entdeckten wir nur die hübsche Tasche, machten ein Foto (siehe rechts), und dann erst die Besitzerin. Obwohl das Kunstwerk recht sperrig ist, hatte man eine Reihe von Securitykräften abgestellt. Womöglich weil auch jene des Diebstahls überführte Societydame anwesend war, die vor einiger Zeit am Wiener Flughafen Kosmetikartikel hatte für lau mitgehen lassen. Die Jagger’sche Handtasche blieb bei der Besitzerin, der Regenwald bleibt hoffentlich heil, und die Tatsache, dass man das neue 21er-Haus auch als bizarre Lichtorgel benutzt, um ziemlich früh Vernissagegäste zum Verlassen des Areals zu bewegen, überrascht. Neuer Name für Ihr Museum, liebe Frau Agnes Husslein-Arco? Wie wär’s mit "der Leuchtturm“?

Weil eben der Name Jagger gefallen ist: Was die Rolling Stones in den 1960ern aufführten, soll, so hört man, ganz schön sexuell gewesen sein. Heute gibt es so etwas nicht mehr. Glauben Sie. Wahrscheinlich weil Sie noch nie etwas von Seth Bogart gehört haben, der als Hunx mit seinen Punx die Arena aufmischte und dabei seinen großen Vorbildern wie Boy George, Rob Halford oder Little Richard nacheiferte. Und so eine Unterhosenshow hat es bei Mick Jagger sicher nicht gegeben. In den Leggings von Bianca durch die Gegend rennen? Kann doch jeder.

Müll trennen kann auch jeder. Macht aber offenbar nicht jeder, weshalb man dafür Werbung machen muss. Was dazu führt, dass ein international anerkannter Sternefotograf wie der Pertramer-Ingo einen national anerkannten Unterhaltungskünstler wie den Palfrader-Robert dabei ablichtet, wie er Dosenbierdosen in den Dosencontainer und Weinflaschen in den Glascontainer schmeißt. Diese Woche wird die Kampagne fürs Recycling präsentiert, wir haben das erste Foto. Voll paparazzmäßig natürlich und vom Pertramer.

Der weltberühmte Macher von atemberaubenden Korsetts Mr. Pearl beehrte vergangene Woche die Modestadt Wien. Modestadt deswegen, weil das 12 Festival for Fashion & Photography ausgetragen wurde, man Preise verteilte (der Modepreis des Kulturministeriums ging an Tina Elisabeth Reiter) und mit Kleiderschauen, Ausstellungen und Partys der Mode huldigte. Der zurückhaltende Mr. Pearl - klarerweise ein Riesenfan von Kaiserin Sisi - kam eingeschnürt und ließ sich von Modeikone und Journalistin Diane Pernet interviewen. Im Museum für Völkerkunde saßen die beiden nun auf einer Bühne, die wie ein Boudoir anmutete. Sie gekleidet im schwarzen Schleier, mit Cateye-Sonnenbrille und knallrotem Lippenstift. Er parlierte zum Teil mit krächzender Stimme über seine Liebe zu Korsetts, über Kunden wie Dita von Teese, Jerry Hall und Designer Jean Paul Gaultier und was er sich bei seinem Wien-Aufenthalt noch alles ansehen müsse. Schönbrunn stand natürlich auf dem Plan. Und wen wundert’s, dass Mr. Pearls Stimme während der Plauderei hin und wieder versagte? Ist bei einer Taille von 56 Zentimetern kein Wunder; da kann schon einmal die Luft wegbleiben.

nathalie grossschädl

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige