Retro mit Symposium

50 Jahre Oberhausen ... und die Folgen

Lexikon | aus FALTER 23/12 vom 06.06.2012

Ich war schockiert, wie leer dieser Text eigentlich ist, bei aller Sympathie für einzelne Personen, die dahinter stehen.“ Was den Regisseur und Autor Christoph Hochhäusler ("Dreileben“) 50 Jahre nach Unterzeichung des legendären Oberhausener Manifests bei dessen Lektüre schockiert, ist der Umstand, dass diesem jede künstlerische und gesellschaftspolitische Perspektive fehlt.

Tatsächlich forderten die 26 mehrheitlich aus München stammenden Filmemacher, die 1962 im Rahmen der "Westdeutschen Kurzfilmtage“ in Oberhausen das konventionelle deutsche Kino für bankrott erklärten - der bekannte Slogan "Papas Kino ist tot“ fand sich auf der Einladung zur Pressekonferenz -, in erster Linie die Bereitstellung von adäquaten Produktionsmitteln. Dieses Hauptanliegen erklärt sich jedoch schon dadurch, dass die "Oberhausener“ eine recht heterogene Truppe waren. So unterschiedlich in der Folge die Karrieren etwa von Alexander Kluge, Edgar Reitz, Haro Senft und Herbert Vesely verliefen, so unterschiedlich waren auch ihre Interessengebiete und ästhetischen Vorstellungen. Ebenso vielfältig waren aber auch jene filmischen Strömungen, die seit den späten 1950er-Jahren Europa - von Frankreich über Schweden bis Ungarn - durchzogen.

Anlässlich des Jubiläums versammelt die Retrospektive "Die Provokation der Wirklichkeit“ (mit einer hervorragend edierten Publikation selben Titels, in dem auch Hochhäuslers Schockzustand nachzulesen ist) bei ihrem Wiener Gastspiel acht Programme, die das Oberhausener Feld geografisch und zeitlich abstecken. Dabei reicht die Auswahl über Arbeiten der Manifestanten hinaus, und die vielzitierte Geburtsstunde des neuen deutschen Films rückt mit Arbeiten von Vlado Kristl, Werner Herzog oder Helke Sander in ein neues Licht.

MP

Bis 17.6. im Filmmuseum (mit Einführungen von Kurator Ralph Eue), Symposium am 7. und 8.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige