Glosse

Wer radelt so spät durch Nacht bei Rot? Es ist der Radler in großer Not

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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Es ist dunkel, ein Radler quert die leere Straße, die Ampel leuchtet rot. Der Mann wiegt sich in Sicherheit, doch er ist es nicht. Von drüben winkt ein Polizist, der hat es gesehen, verdammt! Eine dieser Sekundenentscheidungen: flüchten? Oder mit ihm reden? Der Radler will kein Strizzi sein. Er fährt hinüber zum Freund und Helfer. Es tue ihm Leid, aber es sei kein Mensch auf der Straße gewesen, er sei müde; was man eben so sagt.

Dem Rad fehlen vier Reflektoren. Der Polizist ist ein korrekter Mensch, er sagt, der Radler soll jetzt zahlen. Aber der kann es nicht. Geld: Mangelware, chronisch.

Drei Monate später kommt der Brief. Ampel: 105 Euro. Reflektor: 50 Euro. Sie haben ihm jeden einzeln berechnet, macht in Summe also 305.

Das nächste Mal, sagt der Radler, werde er flüchten.


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