Glosse  

I’m from Australia: Die Documenta hat einen Ösibonus

Kultur

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Am vergangenen Wochenende machte die Documenta 13 auf, die Weltausstellung der Kunst in der deutschen Stadt Kassel (siehe auch S. 28). Wenn man von dem Sound-Artist Florian Hecker absieht, der längere Zeit in Wien lebte, war kein österreichischer Künstler dabei.

Auf der letzten Documenta vor fünf Jahren war das ganz anders, da lagen die Ösis in der Nationenwertung ganz weit vorne. Kaum eine Nation schickte so viele Künstler nach Kassel. Das lag mit Sicherheit an der Herkunft des in Wien beheimateten Kurators Roger M. Buergel, der jene Künstler förderte, mit denen er im Laufe seiner Laufbahn gewachsen war.

Nicht anders verhält es sich mit der neuen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev. Die US-Amerikanerin arbeitete in Italien und brachte von dort den poetischen Realismus der Arte povera und die Vorliebe für die künstlerische Gestaltung von Gärten mit. Die Grafik kommt diesmal aus Mailand, nicht aus Wien. Die große Anzahl australischer Künstlerinnen und Künstler lässt sich damit erklären, dass Christov-Barkagiev die Sydney Biennale kuratierte. Statt Gerwald Rockenschaub heißt es nun Stuart Ringholt, statt Ines Doujak Warlimpirrnga Tjapaltjarri.

Der Effekt ist in beiden Fällen derselbe. Jeder Nichtösterreicher fragte sich, wer ist Ines Doujak? Nun taucht sicherlich die Frage auf: Who the hell is Warlimpirrnga Tjapaltjarri? Doch einen Ö-Bonus hat die Documenta auch diesmal. Der Physiker Anton "Mr. Beam“ Zeilinger breitet dort seine Geräte aus und macht im Rahmen der Ausstellung wissenschaftliche Experimente. So entsteht der Eindruck, Österreich sei keine Hochburg der Konzeptkunst, sondern ein Mekka der Quantenmechanik. Wenn das kein Kunststück ist?


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