In der geschundenen Stadt

Politik | Reportage: Nina Horaczek/Athen | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Vornehme Damen betteln. Am Fleischmarkt gibt es wieder lebende Hühner. Und in manchen Stadtteilen sind neun von zehn Menschen arbeitslos. Notizen aus Athen vor der Schicksalswahl

Gehäutete Schafe, Schweinehälften, meterlange Kutteln und Kisten voll mit gehäuteten Ziegenköpfen, knallrot und mit heraushängenden Zungen. Das ist Varvakios, der Fleischmarkt von Athen. Menschenmassen schieben sich durch die Gänge.

"Jetzt kommen wieder die Griechen“, sagt Marktleiter Kleanthis Tsironis. Vor der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 waren nur Migranten seine Kunden gewesen. "Ein griechischer Busfahrer, der 4000 Euro im Monat verdient hat, war sich zu fein, sein Fleisch bei uns einzukaufen.“ Jetzt, wo die Regierung die Löhne und Pensionen gekürzt hat und die Arbeitslosigkeit auf 22 Prozent geklettert ist, stürmen die Athener zum Wochenendeinkauf die Markthalle.

Kommenden Sonntag wählt Griechenland. Nachdem sich bei der ersten Wahl Anfang Mai keine Regierungsmehrheit fand, gilt der neue Urnengang


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