Enthusiasmuskolumne  

Salt Peanuts, Salt Peanuts, Salt Peeeaanuts!

Diesmal: das beste Jazzkonzert der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Live at Carnegie Hall, Live at the Hollywood Bowl, Live at the Royal Albert Hall, Live at the Salle Pleyel … klingt gut, klingt groß, klingt gediegen. Aber: Live at Massey Hall - das ist es nun wirklich. Und wer immer vor 59 Jahren, am 15. Mai 1953, in Toronto in der Massey Hall statt beim Weltmeisterschaftsboxkampf zwischen Rocky Marciano und Jersey Joe Walcott in Chicago gewesen ist, kann sich glücklich schätzen.

An diesem Abend gastierte "The Quintet“, und sein Auftritt ist nicht ganz ohne Grund als "The Greatest Jazz Concert Ever“ vermarktet worden. Dabei stand der Abend bzw. die Aufnahme unter keinem besonders guten Stern: Aufgrund der erwähnten Boxkampfkonkurrenz wurde nur ein Drittel der knapp 3000 Karten verkauft; Charlie Parker musste auf einem geliehenen Plastiksaxofon spielen; der Bass-Part von Charles Mingus war auf dem Originalmitschnitt so schlecht zu hören, dass er später overdubbed werden musste (weswegen er nun für eine historische Aufnahmen unüblich deutlich zu hören ist); und als der Livemitschnitt auf Mingus’ Label Debut herauskam, durfte Parker, der noch bei Mercury unter Vertrag stand, nicht genannt werden und firmierte unter "Charlie Chan“.

Nichtsdestotrotz entwickelte sich die einmalige Begegnung (Bud Powell, p; Max Roach, dr) zu jener Sternstunde, die Allstar-Formationen nur selten hervorbringen. Auf der letzten dokumentierten Begegnung der beiden Bebop-Dioskuren Dizzy Gillespie und Charlie Parker (der keine zwei Jahre später verstarb), sind übrigens auch deren Stimmen zu hören. Parker stellt ironisch devot "my worthy constituent, Mr. Dizzy Gillespie“ vor, und der lässt bei "Salt Peanuts“ den Scat-Clown von der Leine. Muss man gehört haben. Ist jetzt als Original Jazz Classic Remaster wieder aufgelegt worden.


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