Ohren auf  

Tönender Impressionismus made in Britain

Sammelkritik: neu eingespielte Werke von Frederick Delius (1862-1934)

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Heuer im Jänner wäre der englische Komponist Frederick Delius 150 Jahre alt geworden. Drei Neuerscheinungen würdigen das Schaffen des sensiblen Klangzauberers, den der Dirigent Thomas Beecham einst den "letzten großen Apostel der Romantik, Empfindsamkeit und Schönheit unserer Zeit“ nannte.

Im 19. Jahrhundert standen Klavierbearbeitungen hoch im Kurs. Auch Delius’ poetische Tondichtungen inspirierten zum Transkribieren. Simon Callaghan & Hiroaki Takenouchi stellen auf ihrer CD "Orchestral Music Arranged for Two Pianos“ (Somm) eine Auswahl vor. Neben berühmten Werken wie "On Hearing the First Cuckoo in Spring“ sind auch sehr selten gespielte Stücke enthalten, etwa "Poem of Life and Love“, das Delius ursprünglich für ein riesiges Orchester konzipiert hatte. Zwei Klaviere können zwar kein Orchester ersetzen, man merkt aber, dass hier ausgezeichnete Arrangeure am Werk waren. Es ist ihnen erstaunlich gut gelungen, Delius’ unendliche Klangfarben und Stimmungen für vier Hände einzufangen.

Neben dem Orchesterwerk hinterließ Frederick Delius auch ein beachtliches Œuvre an Liedern mit Klavierbegleitung, deren Gesamteinspielung Mark Stone beim britischen Label Stone Records unter dem Titel "The Complete Delius Songbook“ in Angriff genommen hat. Teil zwei bietet Kompositionen, in denen Delius vor allem schwedische, dänische, französische und deutsche Gedichte vertonte, unter anderem von Jacobsen, Verlaine, Heine und Nietzsche. Mit seinem warmen Bariton gestaltet Stone wunderbare impressionistische Stimmungen, nicht zuletzt dank der einfühlsamen Begleitung von Stephen Barlow.

"Delius and His Circle“ (Stone Records) ist englischer Klaviermusik des 19. Jahrhunderts gewidmet. Neben Werken von Frederick Delius selbst spielt Paul Guinery auch Kompositionen seiner Weggefährten - darunter längst vergessene Namen wie Cyril Scott, Percy Grainger, Roger Quilter oder Arnold Bax. Es sind reizvolle Stücke, die ein facettenreiches musikalisches Porträt des spätromantischen Englands zeichnen.


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