Fragen Sie Frau Andrea

Wie teuer ist der blaue Dunst denn nun?

Kolumnen | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

gerne gönne ich mir den Luxus teurer Duschbäder, mittlerweile hat sich eine umfangreiche Sammlung angehäuft. Leider besitze ich aber die Unart, die Flaschen nach Gebrauch nicht zu verschließen bzw. vernebeln die wunderbaren Düfte jeden Gedanken daran. Ich habe in der Zutatenliste auf den Flaschen nachgeschaut - an erster Stelle steht dort immer "Aqua“. Da Wasser ja bekanntlich dazu neigt, rasch zu verdampfen, habe ich nun die Bedenken, dass sich mittlerweile tausende an investierten Euros in Luft aufgelöst haben könnten. Ist dem tatsächlich so?

Mit duften Grüßen,

Martin Dvorak, Himmelpfortgrund,

durch Bernsteinfunkennachricht

Lieber Martin,

erst die gute Nachricht: Ich kann Ihnen helfen. Jetzt die noch bessere: Teuer wird es nicht. Wie Sie richtig erkennen, rangiert das Lösungsmittel Aqua unter den Hauptbestandteilen auch teurer Duschprodukte. Die lateinische Bezeichnung verlockt zur Überlegung, hier ganz normales Wasser zu vermuten. Tatsächlich ist Aqua eine Bezeichnung, die der INCI, der International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, folgt. Das Europäische Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea) kennt das Lösungsmittel in Ihren Duschgels als Aqua purificata. Damit ist schlicht destilliertes Wasser (auch Aquadest oder Aqua PH 5) gemeint. Das ist H2O ohne die in normalem Leitungswasser vorkommenden mikroskopischen Verunreinigungen: Ionen, Spurenelemente und biologische Bestandteile wie Mikroorganismen und organische Schwebstoffe.

Aqua purificata wird durch Destillation aus normalem Leitungswasser gewonnen. Der Nebel, in dem Sie duschen, ist solch verdunstetes Aqua. Aber keine Angst, aus Ihren teuren Fläschchen stammt das frisch destillierte Wasser nicht. Um aus den von Ihnen erworbenen Behältnissen in ökonomisch schmerzhaften Quantitäten zu verdunsten, müsste es in Ihrem Bad staubtrocken zugehen. Unter Bedachtnahme auf Ihre Leidenschaft für ausgiebiges Gedusche halte ich große Duschgel-Verdunstungsraten in Ihrem Bad für unwahrscheinlich und gefühlsökonomisch für vertretbar. Im Ängstigungsfall wollten Sie möglichen Eindickungsprozessen Ihrer Gels mit ein paar Tropfen destillierten Wassers begegnen. Einmal täglich dürfte genügen, um den Durst Ihrer Duftwässer löschen.


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