Festival Tipp

Zu schnippen, zu wippen, zu lauschen sind wir da

Extra | Klaus Nüchtern | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Das Jazz Fest Wien heißt seit immer schon Jazz Fest Wien, und es heißt so, weil es auch Jazz zu hören gibt. Den kann man im wichtigsten Jazzklub der Stadt, dem Porgy & Bess, zwar rund ums Jahr hören, aber der Auftritt des Harri Stojka Express (25.6.) oder der Highspeed-Zupfer Mike Stern (g) und Richard Bona (b), die sich Fusion-Drummer Dave Weckl in die Band geholt haben (3.7.), läuft dann eben unter anderer Flagge. In der Staatsoper hingegen wird nur im Sommer abgerockt und abgejazzt, hier haben Legenden unterschiedlichster musikalischer Provenienz ihre Auftritte: von Eric Burdon und seiner tierischen Begleitband (1.7.) bis zum Stimmbandvirtuosen und Brustkastenbeklopfer Bobby "Be Happy“ McFerrin (2.7.). Pianist Herbie Hancock gastiert mit einem akustischen Quartett (5.7.), die apart klingende und aussehende Jungjazzchanteuse Melody Gardot ihr jüngstes Album im Gepäck haben und sich den Abend mit dem expressiven Souljazz-Prediger Gregory Porter teilen (4.7.). Und Popdiva Rufus Wainwright schaut auch vorbei (6.7.).

Das Highlight aber ist der Auftritt von Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette im Konzerthaus (8.7.) Die drei Herren sind gemeinsam 213 Jahre alt und spielen seit knapp drei Jahrzehnten miteinander. Das kann man hören. Egal, welchen Song aus dem Great American Songbook sie sich vorknöpfen, ihre Hände wissen auch an einem zehntausende Male gecoverter Klassiker neue Seiten zu entdecken. Im Unterschied zu Jarretts heiklen Solokonzerten laufen die Trio-Auftritte in der Regel auch nicht Gefahr, zu Weihestunden der Prätention zu verkommen, auf den Gebrauch jedweder Aufzeichnungstechnologie sollte man aber ebenso verzichten wie auf lässiges Mitschnippen, sonst wird man vom Meister persönlich ausgeschimpft und ins Winkerl gestellt.

Jazz Fest Wien, 25.6.-9.7.


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