Musik Tipp Pop

Kommet zuhauf und lasset euch bekrächzen

Extra | Klaus Nüchtern | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

Musikjournalistische Standardfloskel, die auf keinen Fall auf Konzerte von Bob Dylan anwendbar sind: "Event“, "Liveshow“, "Stadionrock-Armaggedon“, "die rare Möglichkeit, den Meister einmal, live‘ erleben zu dürfen“. Seit knapp einem Vierteljahrhundert befindet sich der ewige Literaturnobelpreiskandidat auf seiner "Never Ending Tour“. Konzerte gibt’s wie Sand am Meer, bevor Dylan am 7. Juli in Salzburg gastiert, kann ihn, wer will, viermal in Deutschland sehen und ihm danach in die Schweiz, Spanien, Frankreich und Italien nachreisen.

Wahrscheinlich sollte man das sogar tun, denn der, äh, Sinn, sprich: der wahre Gehalt eines Dylan-Auftritts, entbirgt sich nicht im einzelnen Konzert, sondern nur in der Differenz der Zeichen, Töne und Wunder, die an den jeweiligen Stationen der Reise über die Zuhörerschaft kommen und von den Mitgliedern der weltweit operierenden Church of Dylan in hunderten Exegesen gedeutet werden.

Welche Songs wo in welcher Reihenfolge erklungen sind, ist nicht nur höchst bedeutungsvoll, sondern mitunter gar nicht so leicht festzustellen, denn seinen schon immer sehr eigenartig phrasierten Gesang hat Dylan lang schon durch ein Krächzen ersetzt, und sein Zugang zum eigenen Werk darf mitunter getrost als "dekonstruktivistisch“ bezeichnet werden. Es ist freilich nie zu spät, sich IHM zuzuwenden. Wer sein Hirn und Herz öffnet, dem winkt reicher Lohn - zumindest aber ein Konzert, so bekömmlich und beschwingt wie ein Tanznachmittag im Seniorenheim.

Salzburgarena, 7.7., 20.00


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