Kritik

Ein guter Mensch, aber keine Moral!

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

So, denkt Helene Ewert in ihrem Regiedebüt, muss es wohl im Kopf eines Paranoid-Schizophrenen aussehen: gespenstische Gestalten, tanzende Schemen und Negativbilder von toten Bäumen, dazu ein beständiger Klangteppich aus Sphärenmusik oder stampfendem Beat. Manuela Linshalm und Christoph Hackenberg teilen sich bei vollem Körpereinsatz die auf sechs Rollen gekürzte Version von Georg Büchners ohnehin kurzem Fragment "Woyzeck“. Heraus kommt dabei eine Art Sado-Maso-Spiel, in dem Woyzeck beim Exerzieren vom Hauptmann und beim Räsonnieren vom Doktor befingert wird. Die boshaft lachende, untreue Marie erwürgt er, während sie ihrem Sprechpuppenkind ein Schlaflied singt. Eine nicht uninteressante, beängstigende Interpretation.

Schubert-Theater, Mi, Do 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige