Kritik

Bunte Bällchen in der Trockenkammer

Lexikon | aus FALTER 24/12 vom 13.06.2012

In die Trockenkammer konzeptueller Filmkunst schickt die Generali Foundation diesmal ihre Gäste. Der US-Künstler Morgan Fisher (Jg. 1942) ist mit einer Retrospektive zu Gast, die in erster Linie aus Filmen besteht. In eigens für diesen Zweck gebauten Minikinos laufen Fishers experimentelle, ab 1968 entstandene Filme, die ein verbindendes Thema haben: die Geräte der Filmproduktion und die damit beschäftigten Leute. "Cue Rolls“ (1974) dokumentiert etwa den Negativschnitt, bei dem ein Techniker den Film - das Material, das in der Kamera war - zum Kopieren im Labor vorbereitet.

Man sieht einen Synchronisator mit Zählwerk, durch den, wie ein Kommentator aus dem Off erläutert, vier Musterrollen laufen, wie man sie zur Herstellung der Endkopie eines Films benötigt. In "Picture and Sound Rushes“ (1973) ist der Künstler zu sehen, wie er die vier Kombinationen von Bild und Ton erklärt, die bei der Produktion eines Tonfilms möglich sind, eine Hommage an Peter Kubelkas Film "Arnulf Rainer“ (1960).

Vergleichsweise funky ist die Filminstallation "Color Balance“. Drei Projektoren werfen das Bild eines tanzenden Pingpongballs an die Wand. Einmal ist der Ball, rot, einmal blau und einmal grün. Wenn die Scheiben der Komplementärfarben übereinander geraten, wird daraus weiß. Sicher ging es dem Künstler dabei auch um irgendein Produktionsgeheimnis! Wer wie Fisher in der Nähe Hollywoods lebt, möchte der Illusionsindustrie den Teufel austreiben. Was soll’s! Die Projektoren knattern munter, und die Bällchen tanzen lustig. Raster und Module sieht Fisher auch, wenn er seine alltägliche Umgebung betrachtet. In einer Serie von Zeichnungen hält er die Isometrie von Pepsi-Kisten fest. Wer das Kino in seiner inzwischen musealen Maschinenhaftigkeit erleben möchte, für den ist die Schau ein Erlebnis. MD

Generali Foundation, bis 29.7.


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