Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Selbst die zu Redaktionsschluss herrschende Hitze, die der Akkuratesse des Wahrnehmens, Denkens und Schreibens ja ganz generell abträglich ist, konnte die Beobachtung einer redaktionstypischen Ausprägung eines bekannten Phänomens nicht verhindern. Es geht um die berüchtigte Korrespondenz von Schamschwellen und Hosenlängen. Bekanntlich verhalten sich Temperaturen und Schamschwellen indirekt proportional zueinander: Höhere Temperaturen fördern kürzere Hosen. Die Sache verläuft allerdings nicht linear, sprich: Es ist nicht so, dass wir (und das ist ein rein didaktisch-abstraktes Beispiel) bei 15 Grad Vollhose tragen, bei 20 Grad auf Siebenachtelhosen umsteigen, fünf Grad Celsius später zur Bermuda greifen, diese bei 30 Grad gegen Shorts austauschen, um über Hotpants und Stringtangas irgendwann bei der Komplettnackigkeit zu landen. Vielmehr gibt es auch hier den - individuell und kulturell sehr verschiedenen - tipping point, ab dem dann alles anders ist.

Wo die einen ab 28 Grad alle Rücksicht fahren und knallhart den Hosensaum hochsausen lassen, tragen die anderen noch Flanellvollhosen. Ich muss gestehen, Teil jenes Triumvirats der Schamlosigkeit zu sein, dem ab 30 Grad die hausinterne Kurzhosenkontingentierung vollkommen powidl ist (die anderen sind Matthias Dusini und Benedikt Narodoslawsky). In der Grafik hingegen, die ihrer exponierten Lage wegen um gefühlte zehn Grad heißer ist, sitzen lauter Vollhosenfetischisten. Ob das jetzt ein Hinweis auf größere Gschamigkeit oder hässlichere Beine ist, bleibe dahingestellt.


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