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Premieren

Falter & Meinung | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Das Frühjahr 1992 war voller Ausländerfeindlichkeit und voller Initiativen dagegen. Im Falter stand ein Interview mit Leon Zelman, dem Leiter des Jewish Welcome Service, unter Juden in aller Welt bekannt als der Zelman vis-à-vis vom Stephansdom, mitunter auch umgekehrt (Dom vis-à-vis vom Zelman). Erstmals erzählte er ausführlich sein Leben, wieso er als einziger die Vernichtungslager der Nazis Überlebender seiner Familie in Österreich blieb, obwohl er kein Wort Deutsch konnte. Wie er seine Wiener Gegenwelt zu Hitler aufbaute. Wie er gegen Antisemitismus und Xenophobie kämpfte, auch gegen den Krone-Kolumnisten Staberl. "Ich werfe ihm nicht vor, ein Nazi zu sein“, sagte Zelman, "das ist er sicher nicht. Ich werfe ihm vor, dass er Menschen plagt, dass sie immer wieder daran denken müssen und mit ihrem Leben nicht fertig werden können.“

Die deutsche Journalistin Renata Erich berichtete über die Jagd auf Roma und Sinti in der ÈSSR (noch gab es diese). Und Peter Pelinka berichtete über ein "Konzert für Österreich“, das der Journalist Peter Huemer und der Anwalt Daniel Charim organisierten, gegen die ausländerfeindliche Politik Jörg Haiders (der kurz zuvor wegen seines Sagers über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ als Landeshauptmann abgewählt worden war).

Im Stadtleben drängten sich auf der Fläche des Kulturkommentars gleich mehrere genrefremde Elemente. Ein Autorenfoto zeigte zwei Autoren, den regulären Theaterkritiker Roland Koberg und hinter ihm, halbverdeckt durch Kobergs Lockenpracht, einen Mann, der laut Autorenzeile "Koberg & Kralicek“ Feuilletonredakteur Wolfgang Kralicek sein musste, der hier seinen Falter-Erstauftritt feierte. Nicht mit einem Kommentar, sondern mit einem Festwochen-Alphabet. Kostprobe: "F wie Friederike Roth. Hierüber sind sich die Autoren ein wenig uneins. K:, Völlig unerträglich.‘ K:, Sehr unterhaltsam.‘“ Oder: "Q wie Quadflieg, Will. Las. Ohne uns.“ Ein Kurzurteil kann man zweifelsfrei Kralicek zuordnen: "G wie Ganz, Bruno. Hyperion-Darsteller. Note 0 (zu kurz eingesetzt).“ aT


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