Meinesgleichen

Voraussehbar unvoraussehbar

Falter & Meinung | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Eine kleine Panne auf orf.at betraf die Ankündigung eines kontroversiellen Gesprächs zum Thema "Political Correctness“. Anlass sollte das vergangene Woche im Falter vorgestellte Buch von Matthias Dusini und Thomas Edlinger sein, diskutieren sollten die Autorin und Feministin Eva Rossmann und Roger Köppel, Chefredakteur und Verleger der Schweizer Weltwoche, eines Wochenmagazins, das sich einst hohen Ansehens erfreute, unter Köppel aber zum Justament-dagegen-Heft abstieg. Die Rollen waren also vorgegeben: Rossmann als die Gute und Köppel als der justament Böse. In letzter Sekunde muss Köppel abgesagt haben. Im Programmraster war nämlich an seiner statt Michael Fleischhacker angekündigt, der Chefredakteur der Presse.

So etwas kann vorkommen. Fleischhacker ist wohl eine Art Austro-Köppel. Fragen könnte man, ob der österreichische Konservativismus nicht einer Interpretation bedürfte, die ein bisschen weiter ginge, als voraussehbar unvoraussehbar zu sein. Zur Griechenlandkrise fiel Fleischhacker der schöne Satz ein: "Das handelsübliche Gerede darüber, dass man in einer solchen Situation von allzu harten Austeritätsprogrammen Abstand nehmen und stattdessen Wachstumsimpulse setzen müsse, ist nichts anderes als die Aufrechterhaltung einer Illusion.“ Wir müssen hart bleiben, das steht fest. Zu viel Flexibilität billigen wir weder Griechen noch Spaniern zu, die endet nur in Inflation. Geistige Flexibilität hingegen ist ein wünschenswertes, aber knappes Gut.

Quellen:

* Presse vom 16.6.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige