Kommentar  Sozialforschung

Die Piraten sind bei den Jungen auf dem Vormarsch. Wirklich?

Falter & Meinung | Christoph Hofinger | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Seit vergangener Woche wissen wir, dass zwölf Prozent aller 16- bis 29-Jährigen in Österreich die Piraten wählen würden. Diesen Befund der von Bernhard Heinzlmaiers Institut Jugendkultur.at durchgeführten Studie haben viele Medien übernommen - jedoch ohne jeden kritischen Blick, und der wäre notwendig gewesen.

Zunächst führt die Zahl von 522 Befragten zu Schwankungsbreiten von mindestens plus/minus drei Prozent. Allein aus diesem Grund ist die Beliebtheitsreihenfolge der Parteien bei Jungwählern statistisch nicht gesichert. Das viel gravierendere Problem ist aber, dass die Befragung online durchgeführt wurde. Damit verliert das Ergebnis leider die Aussagekraft.

Wer wissen will, wie beliebt Shoppen ist, darf keine Befragung auf der Mariahilfer Straße machen. Und wer wissen will, wie viele Jugendliche die Internet-affine Piratenpartei wählen, darf nicht nur im Internet befragen. Noch dazu, wenn, wie im vorliegenden Fall, die Jugendlichen nicht per Zufallsauswahl, sondern durch ein Quotenverfahren rekrutiert werden. Da machen häufiger jene mit, denen die Studieninhalte (wie die politische Agenda der Piraten) unter den Nägeln brennen.

Heinzlmaier positioniert sich als Anwalt der Jungen und liest den "Waschlappen-Politikern, diesen wendigen Weicheiern“ gerne die Leviten.

So starke Worte bräuchten wesentlich verlässlichere Forschungsergebnisse als die hier genannte Studie als Grundlage. Journalisten, die Erhebungsverfahren und Forschungsergebnisse zumindest hinterfragen können, wären ein wichtiges Korrektiv im Diskurs darüber, wie die Jugendlichen in Österreich wirklich ticken.

Der Autor ist Sozialforscher (Sora-Institut)


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