Am Apparat  Telefonkolumne

Warum soll Schulschwänzen teurer werden, Frau Schmied?

Politik | Anruf: Wolfgang Zwander | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Statt in der Schule im Café zu sitzen soll in Zukunft das Doppelte kosten: Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will die Eltern von notorischen Schwänzern mit bis zu 440 Euro (statt wie bisher 220 Euro) bestraft wissen.

Frau Minister, glauben Sie, dass sich Schulschwänzer von höheren Geldstrafen für ihre Eltern beeindrucken lassen?

Es handelt sich dabei vor allem um eine symbolische Maßnahme. Der Staat signalisiert mit der Erhöhung der Strafe die Ernsthaftigkeit des Anliegens, dass weniger Schüler schwänzen. Seit Kaiserin Maria Theresia herrscht in Österreich Schulpflicht, und das soll auch so bleiben.

Wie beurteilen Sie die Gefahr, dass die höhere Strafe vor allem Familien treffen wird, die ohnehin wenig Geld haben?

Schulschwänzen konnte schon bisher bis zu 220 Euro kosten, allerdings wurde die Strafe unterschiedlich gehandhabt. Die genauen Zahlen kann ich nicht nennen, weil diese Strafen eine Angelegenheit der Bezirke sind. Ich kann aber versichern, auch in Zukunft werden Geldstrafen für Schulschwänzer das letzte Mittel von vielen anderen bleiben.

Was, glauben Sie, sind die häufigsten Gründe dafür, dass Kinder der Schule unentschuldigt fernbleiben?

Wir haben das evaluiert, und diese Fälle haben oft mit Mobbing zu tun. Und leider auch mit bedrückenden Zuständen, denen nicht wenige Kinder in ihren Familien ausgesetzt sind.

Und gegen solche sozialen Missstände sollen Ihrer Meinung nach Geldstrafen helfen?

Nein, die Sache mit den angedrohten 440 Euro wurde in der Öffentlichkeit populistisch zugespitzt. Alle anderen Punkte des Maßnahmenkatalogs gegen Schwänzen, wie zum Beispiel verstärkte Lehrer-Eltern-Gespräche, sind viel wichtiger als die Erhöhung der Strafe. Wir wollen aber eben auch signalisieren, dass Schulschwänzen kein Kavaliersdelikt ist.


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