Der linke Verlierer und der rechte Gewinner: wie sie sich blockieren werden

Politik | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Die Außenwahrnehmung könnte nicht unterschiedlicher sein: Der eine, Syriza-Parteichef Alexis Tsipras, gilt außerhalb der Grenzen Griechenlands als linker Rabauke. In seiner Heimat wird der 37-jährige Bauingenieur hingegen dafür geschätzt, dass er dem korrupten griechischen Politapparat den Kampf angesagt hat.

Der andere, Nea-Dimokratia-Chef Andonis Samaras, steht im Rest Europas für Stabilität und Verlässlichkeit. Der Harvard-Absolvent und Langzeitpolitiker war schon zwischen 1989 und 1992 Außenminister. Der 61-Jährige gilt im eigenen Land als konservativer Hardliner und ist alles andere als ein Versöhner in der tief gespaltenen politischen Landschaft Hellas’.

Beide Parteichefs versprachen im Wahlkampf ein Ende der derzeitigen Austeritätspolitik im verarmten Griechenland. Aber während Samaras die Vereinbarungen mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds noch 2011 wörtlich als "falsch“ bezeichnete, möchte er sie nun bloß nachverhandeln.

Tsipras fordert hingegen einen Totalausstieg und die Streichung der griechischen Schulden. Unter einer neuen Regierung, die wahrscheinlich aus Nea Dimokratia und Pasok bestehen wird, könnte der Syriza-Chef als stärkster Oppositionsführer nun das machen, was Samaras bis jetzt im griechischen Parlament getan hat: Seit Griechenland 2010 vor dem Staatsbankrott stand und Hilfsgelder annehmen musste, blockierte der Nea-Dimokratia-Vorsitzende jegliche Reformen der damaligen Regierungspartei Pasok, in der Hoffnung, so zur stärksten Partei im Land zu werden.

Ein Plan, der aufging und den nun wohl sein Konkurrent von Syriza verfolgt.

NH


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