Als die Simpsons noch mit der Kutsche fuhren: Sherwood Andersons Klassiker "Winesburg, Ohio“

Feuilleton | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Weil 70 Jahre nach Ableben des Autors die Rechte frei werden, sind zeitgleich zwei Neuübersetzungen desselben Buchs auf den Markt gekommen. Zu welcher man greift, darf dem individuellen Gusto überlassen werden, gelesen haben aber sollte man diese 1919 erschienene "Reihe von Erzählungen aus dem Kleinstadtleben Ohios“ in jedem Falle. Ursprünglich wollte Sherwood Anderson sein zunächst geschmähtes und skandalisiertes, bald aber zum modernen Klassiker avanciertes Werk unter dem Titel "Das Buch des Grotesken“ herausbringen. Jetzt heißt nur noch das erste Kapitel so, in dem ein alter Schriftsteller auf dem Bett liegt und sein Figurenarsenal an sich vorbeiziehen sieht: "Es waren allesamt groteske Gestalten.“

Das lässt sich nun in der Tat auch von den Charakteren behaupten, mit denen Anderson sein (fiktives) Winesburg besiedelt hat. "If you’re growing up in a small town“, singt Lou Reed, "you hate it and you’ll know you have to leave.“ Aber auch damit ist noch nicht alles gesagt.


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