Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Bio-Himbeersturm

Auch wenn es gut schmeckt: Alkohol niemals verharmlosen!

Stadtleben | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Sturm - der frisch vergorene Saft von Trauben - ist üblicherweise erst im Herbst erhältlich. Die Gärung des Saftes nimmt sonst überhand, weshalb er nur in einer bestimmten Zeitspanne verkauft werden darf. Meist verwendet man auch jene Trauben, die sich nicht zum Spitzenwein eignen. Das Typische beim Staubigen, Federweißen oder Sauser ist also der leicht alkoholische (mindestens ein Prozent Alkohol), süße und kohlensäurehaltige Geschmack, der aufgrund seines hohen Anteils an Milchsäurebakterien und der Vitamine B1 und B2 auf die Entleerung des Darmes setzt.

Die (allzu) erfrischend süße Variante ist der Himbeersturm: Hier wird statt Traubensaft Himbeersaft vergoren. In der Biovariante gibt es den Himbeersturm bereits - im Weinviertel, wo man schon vergangenes Jahr daran gearbeitet hat, den Sturm länger haltbar zu machen: "Wilde Hummel“ wurde das mit zusätzlicher Kohlensäure konservierte Ergebnis getauft. Und das kommt nicht von ungefähr.

Das Unternehmen Biobeerengarten Hummel wollte wohl den Sturm in der Flasche bewahren. Was natürlich nur bedingt gelingen kann. Er hat 5,5 Prozent Alkohol, schmeckt intensiv nach Himbeere, macht dazu noch lustig: Im Grunde spricht ja eigentlich nichts dagegen. Es liegt auf der Hand, dass man den eigenen Namen marketingtechnisch aufbereitet. Nur muss das Getränk so aussehen, als hätten Kinderhände das Etikett gemalt? Eine Verharmlosung von Alkohol ist niemals angebracht, auch wenn es schmeckt, schmeckt, schmeckt. MS


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