Selbstversuch

Eine Schwimmweste wär jetzt fein

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Ich habe jetzt Helme bestellt. Und Schwimmwesten. Weniger als Schwimmhilfe, mehr weil eine Schwimmweste den Brustkorb recht effizient vor Prellungen schützt, wenn man in einem stellenweise wilden Wasser mit einem Boot kentert und gegen einen Felsen geschleudert wird. Ich weiß das jetzt.

Ich weiß jetzt auch, dass paartherapeutisch gesehen von einer gemeinsamen Kanufahrt eher abzuraten ist. Klingt schön und harmonisch, wenn man sich vorstellt, wie man so zu zweien in idyllischer Landschaft in einem Boot übers ruhige Wasser gleitet, während Forellen aus dem Wasser winken und links und rechts große, dekorative Vögel aufflattern. Ja. Eh. Dann kommen die Stromschnellen. Harmonie ist in Beziehungen bekanntlich eine scheue, flüchtige Sache.

Es ist jetzt so. Ich bin der Auffassung, dass man, wenn man sich, in welchem Gefährt auch immer, einer Gefahrenstelle oder einer Unübersichtlichkeit nähert, eher bremsen soll. Zumindest nicht extra Gas geben. Jetzt z.B., wenn einem im Auto auf der eigenen Fahrspur ein geisteskrank Überholender entgegenkommt, da würde ich spontan bissl runterbremsen. Oder wenn man auf eine stehende Kolonne zurast, die sich natürlich in zwei Sekunden aufgelöst haben könnte, und dann würde man die Bremsbacken des Autos umsonst abgenutzt haben, aber. Lieber trotzdem die Fußposition wechseln von Gas zu Bremse, sicher ist sicher.

Diese Vorgehensweise würde ich, sagen wir, auch aufs Kanufahren anwenden, der Lange aber nicht. Sobald’s irgendwie unübersichtlich und gefährlich wurde, zog hinter mir der Lange durch wie ein Wahnsinniger und brüllte: PADDELN!!!! Abgesehen davon, dass ich es nicht gern habe, wenn man mir, Helm oder nicht, Befehle an den Hinterkopf schleudert, glaube ich in solchen Situationen an die Benefizien der Tempoverminderung, also verminderte ich. Mit Konterschlag. Paddel quer ins Wasser und dagegenhalten.

Wenn man mit einem viereinhalb Meter langen Gummiboot in Stromschnellen gerät und der Hintere paddelt wie blöd, während die Vordere bremst, dann ist das nicht gut. Wie es uns an diesem Felsen aus dem Boot schleuderte, dachte ich: Es war eine gute Idee, beim ersten Mal die Mimis nicht mitzunehmen, der Neoprenanzug rechnet sich ebenfalls, der wasserdichte, am Boot befestigte Seesack auch, der Skaterhelm von der Mimi macht sich ganz prima, aber eine Schwimmweste wär jetzt auch fein. Nein, stimmt nicht, das dachte ich erst, nachdem ich in dem eisigen, reißenden und unerwartet tiefen Wasser wieder Boden unter den Füßen gefunden und wir es samt Boot irgendwie ans Ufer geschafft hatten.

Später las ich dann endlich Riegel/Rafflers "Stechpaddel Fahrschule“, und darin wird in solchen Situationen wegen Querstell- und Kentergefahr vom Konterschlag entschieden abgeraten. Na gut. Dass man das Paddel wie ein Depperter durchziehen soll, steht aber auch dort nirgends.


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