Menschen

Edle Säfte

Falters Zoo | Nathalie Großschädel, Lisa Kiss, Barbara Schellner, Gerhard Stöger | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Wer Ian Somerhalder oder Paul Wesley nicht kennt, ist nicht nur kein eingefleischter Vollblutfan von Vampirserien, sondern hat vermutlich bereits die Pubertät hinter sich. Die Rede ist nicht von der HBO-Serie "True Blood“, auch nicht von "Twilight“, sondern von der Teenieserie "The Vampire Diaries“ - ein weiterer Story-Klon, der im Fahrwasser des inzwischen auch schon mehrere Jahre andauernden Vampirhypes zu Jungmädchenhysterie führt. Dass die schmalbrüstigen Blutsauger und Werwölfe vom Bildschirm im echten Leben gutgelaunte, witzige Schauspieler sind, mussten sie am Wochenende ihren vorrangig weiblichen Fans im Gasometer beweisen, indem sie deren knallharte wie originelle Fragen beantworteten. Etwa: Was würdet ihr eurem 13-jährigen Selbst sagen? Bei der Antwort "Räum dein Zimmer auf! Greif dir eine Gitarre und mach Musik. Zieh deine Hosen rauf! Hör auf zu masturbieren“ Gejohle.

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Auf Wiens größter Baustelle, am Südbahnhof, feierte man vergangenen Montag die offizielle Eröffnung des Dots twentyone im 21er Haus. Erschienen sind sie zahlreich: Promis, Kulturinteressierte und die, die überall sind. Vielleicht zu zahlreich, wie man bei der Essensverteilung feststellen musste. Dabei war der Beginn friedlich: Auf einer Leinwand plätscherte England gegen Frankreich dahin, man weidete seine Augen an Dutzenden Baukränen der Hauptbahnhof-Baustelle. Ja doch, urbaner Beton- und Industriechic hat was. Als dann aber die kulinarischen Schmankerln serviert wurden, war es mit der Gelassenheit vorbei: Die Meute versuchte, die wenigen Kellner mit Tabletts voller Sushis und Schnitzel zu erwischen. Kein Leichtes, so manch einer ging mit knurrendem Magen nach Hause.

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Einen wahren Modemarathon gab es Donnerstagabend zu bewältigen. Erster Stopp: der Auftakt zum MQ Summer of Fashion. Das gesamte Museumsquartier beschäftigt sich bis Mitte September mit dem Thema Mode, der Startschuss fiel mit der Vernissage von "Reflecting Fashion“ im Mumok. Um 19 Uhr drängten sich bereits zig aufgebrezelte Menschen in den Ausstellungsräumen. Der Style der Museumsbesucher begeisterte dabei mehr als so manches Exponat. Danach weiter über den Hof zur nächsten Vernissage: "Technosensual. Where fashion meets technology“ im Quartier 21. Das Gedränge war unglaublich, fast wäre Wein über das knackenge Kleid von Catwalktrainerin Elvyra Geyer geflossen. In der Innenstadt folgte die Vienna Fashion Night: Bis 23 Uhr verleiteten zahlreiche Stores zum Late-Night-Shopping, unter der Michaelerkuppel fand zeitgleich eine Modeschau statt. Im Publikum: Werner Schreyer und Adriana Karembeu.

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Was hat es zu bedeuten, wenn sich junge Damen in einer bummvollen Wiener Stadthalle ihrer Oberbekleidung entledigen und selbst dann noch bester Dinge sind, wenn ihre Brüste gerade über die Leinwand auf der Bühne flimmern? Genau, es kann nur heißen, dass die Berliner Spaßpunks Die Ärzte - oder genauer gesagt: die Die Ärzte, darauf legen die drei Herren großen Wert - gerade eines von zwei ausverkauften Konzerten geben und wieder einmal ihr "Sticks for Tits“-Spielchen spielen. Im Tausch für ihren BH bekommen Besucherinnen da von Schlagzeuger Bela B einen Trommelstock zugeworfen. Das mag nach Machoscheiß klingen, ist tatsächlich aber ein unschuldiger Spaß, ganz ohne Sabber und Geilheit. Vermutlich, weil die Die Ärzte eben die Die Ärzte sind und sich bei ihnen sogar ein Strip unter "Ironie“ verbuchen lässt.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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