Musiktheater Kritik

Nichtinszenierung in ödem Hofzeremoniell

Lexikon | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

In leeren, kalten Räumen lässt Daniele Abbado Verdis "Don Carlo“ ablaufen. Bald mag man gar nicht mehr auf die Bühne schauen, wenn tücherschwenkende Chorhofdamen die (gute) Prinzessin Eboli bei ihrer "Schleierlied“-Arie unterstützen oder wenn König René Pape mit langen Schaftstiefeln in Uniform herumstelzen muss. Die Stehtheatersitten wie in Opern der 1950er-Jahre ohne jede Personenregie kommen einem nicht einmal "spanisch“ vor. Eine Art Grill bildet das "Autodafé“ für die Ketzer. Welser-Mösts Dirigat ist mehr als gediegen, aber nicht zündend (der Chefkapellmeister ist eben kein Brandstifter). Sängerisch durchwegs eine Starbesetzung, mit Filippo und dem Großinquisitor und final mit Stoyanova und dem lyrischen Tenor Ramón Vargas ereignet sich endlich große Oper. HR

Staatsoper, Fr 18.30, Di 19.00


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