Fotografie  Kritik

Der Meister der lachenden Hunde

Lexikon | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Der US-Amerikaner Elliott Erwitt (Jg. 1928) gehört zu den großen Fotografen der Schwarzweißära, das Kunsthaus Wien widmet ihm nun eine Retrospektive. Seine Bilder von Museumsbesuchern, dem Strandleben und Hunden halten überraschende Momente fest. Tiere beugen sich über einen Zaun oder springen wie ein Athlet in die Höhe, ein komischer Effekt. "Hunde haben nichts dagegen, wenn man in ihre Privatsphäre eindringt“, sagt er. Was Erwitt neben seinem Bildwitz zu einem der populären Fotografen der Agentur Magnum Photos macht, ist seine Fähigkeit, Tatsachen auf den Kopf zu stellen.

Eine auf einer Laterne sitzende Möwe hat die Größe eines vorbeifliegenden Flugzeugs, nackte Künstler zeichnen ein bekleidetes Model. In einer Zeit, als Bilder noch nicht mit dem Telefon gemacht wurden, reklamierten Fotoreporter das Privileg für sich ein, zur rechten Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, etwa wenn ein sibirisches Hochzeitspaar mit bitterer Miene zum lachenden Trauzeugen hinüberblickt. Ist er der Liebhaber? Erwitt & Co waren die Jäger des modernen Lebens.

Neben seiner Tätigkeit als Bildreporter schuf er fotografische Essays und Werbefotos. In den 1980er-Jahren produzierte er Comedysendungen für den Fernsehsender HBO. Im Kunsthaus sind Bilder aus allen Perioden zu sehen, darunter auch intime Porträtstudien (die etwa auch in der legendären Wanderausstellung "Family of Man“, 1955-1966, hingen). Auffällig an der Präsentation ist die billig wirkende Rahmung. Sie lässt sich dadurch erklären, dass die Schau eine von zwei Ausstellungen ist, die derzeit durch europäische Museen touren. Beide Ausstellungen sind hängefertig gerahmt und umfassen jeweils 120 bzw. 140 Fotografien in unterschiedlichen Printgrößen. Für die Buchung ist Magnum Photos zuständig. MD

Kunsthaus Wien, bis 30.9.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige