Film  Neu im Kino

Karaokeklamottenkrampf: "Rock of Ages“

Lexikon | Drehlee Robnixx | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Diese Backstagemusicalkomödie erinnert an Franz-Antel-Klamotten von circa 1971; ansonsten kann man der Verfilmung von "Rock of Ages“ wenig zugutehalten. Das kostümfreudige Sich-zum-Dodel-Machen von Publikumslieblingen, hier im Ambiente eines Hair-Metal-Clubs in L.A. 1987, haut halbwegs hin: Als Avatare von Paul Löwinger und Franz Muxeneder fungieren Alec Baldwin und Russell Brand, Paul Giamatti ist Gunther Philipp, als Susi Nicoletti zieht Mary J. Blige Divenregister. Im Stuntcasting- und Schauwertzentrum dieser Designerproduktion besetzt Tom Cruise - um den Vergleich auf die rezente Pophitpotpourrimusicalwelle auszudehnen - die Position von Meryl Streep in "Mamma Mia!“: publikumsgenerationenverbindendes show horse, bei dem jede trotz des Alters gelingende Verrenkung und Entblößung in sich reflektiert und doppelt obszön wirkt.

Nix gegen Tom Cruise: Der macht, in der Rolle von Altrockgott Stacee Jaxx zwischen Räkeln, Flüstern und Irrblick, den Gockel-Maniac mit gewohnter Verve. Aber das ist nicht so lustig wie sein Part in "Tropic Thunder“, und es füllt nur ein Achtel dieses überlangen Films. Der Rest will ausgesessen sein: ein jetzt schon vergessenes junges Schmachtpaar, dressiertes Afferl, Einfühlung in die guten alten Achtz’ger, vor Techno, Grunge und Clinton, als Männer und Frauen noch performt haben, wie sehr sie ihre Intaktheit genießen. Brunftrock-Karaoke, Bildstilparaphrasen (Haarlicht, Draufsicht, Blaustich: grauslich), alles in jedem Sinn verschwitzt und tongue in cheek. Es regiert das Bewusstsein, das Gezeigte sei so wert- wie alternativlos: nahtlose Identifikation von Nihilismus und Hingabe im Modus des Überschmähs. Ergo befiehlt der alle zur Doppelhochzeit in L.A. am Wörthersee vereinende Schlusshadern: "Don’t Stop Believin’!“ Öööh, warum eigentlich nicht?!

Derzeit in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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