Film  Neu im Kino

Sehnsucht nach Abkühlung: "Los Refrigeradores“

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Ein Bauarbeiterhelm im Meer: Er schaukelt auf den Wellen, bis er an den Strand gespült wird. Wir sind auf Kuba, es ist eine schöne Einstellung. Bloß was sie mit dem Thema Kühlschränke zu tun hat, das Thomas Lehners Dokumentarfilm "Los Refrigeradores - Heiße Nächte, kühle Schränke“ behandelt, bleibt offen. Und dies ist nicht die einzige Szene, die sich gänzlich vom thematischen Zentrum entfernt: Nach 94 Minuten haben die Zuseher Menschen beim Baden beigewohnt, die Schlachtung zweier Tiere miterleben müssen und ein mangels zusätzlicher Informationen recht befremdlich anmutendes Fest gesehen.

Dabei hat Lehner aus seinem Thema vermutlich herausgeholt, was herauszuholen ist: Die Kühlschrankproblematik in Kuba, die sich aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage des Landes in völlig veralteten Geräten, Stromausfällen und einem Mangel an Eis niederschlägt, wird deutlich. Ebenso gelingt es, den Status einer Gesellschaft an diesem Gebrauchsgegenstand festzumachen und ins persönliche Umfeld einiger Menschen zu blicken, die ihre über Generationen vererbten Kühlschränke geradezu lieben. Originell auch die Idee eines dokumentarischen Roadmovies, wenn zwei der Protagonisten sich auf die Suche nach einem besonderen Gerät machen. Und wenn am Ende im Zuge der "Energierevolution“ 70 Prozent der alten Refrigeradores gegen neue chinesische eingetauscht werden, weiß das Publikum nach zweimaliger Erklärung auch ganz genau, wie ein Kühlschrank funktioniert.

All das ist gar nicht uninteressant, wirkt aber ein wenig dünn und mit den eingangs erwähnten Passagen willkürlich zusammengestellt. So versammelt "Los Refrigeradores“ zwar viele spannende Szenen, der Eindruck eines inhomogenen, zum Langfilm aufgeblasenen Werks überwiegt jedoch.

Ab Fr im Filmhaus-Kino (OmU)


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