Film  Neu im Kino

Ein Date für zwei aufgeschwemmte Buben

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 25/12 vom 20.06.2012

Kaum hat Ben den Kumpel aus Jugendtagen in sein Haus gelassen, fallen dem die schicken Bildbände auf dem Wohnzimmertisch ins Auge: Symptome einer Verbürgerlichung, zu der sich Ben nur verschämt bekennt. Auch die Freigeistigkeit des Drifterfreunds Andrew bleibt aber öfter Behauptung. Lynn Sheltons "Humpday“ war 2009 einer der größten Publikumshits jenes mikrobudgetierten US-Befindlichkeitskinos mit dem Spitznamen Mumblecore, das inzwischen weitgehend im Indie-Mainstream aufgegangen ist. Mumblecore-typisch lässt "Humpday“ eine Gruppe von jungen Upper-Middleclass-Alternativos in körpernahen Videobildern mit der Frage hadern, wie man leben soll. Über die dabei üblichen brüchigen Posen und gemurmelten Bekenntnisse hinaus pointiert Shelton die Verunsicherung ihrer Figuren zur zielstrebig konstruierten Sittenkomödie: Die Hetero-Buddies Ben und Andrew beschließen - zuerst aus Angeberei -, für ein Pornokunstwerk miteinander zu schlafen. Auf diesen Akt läuft der Film zu. An ihm werden nicht nur die Grenzen und Geheimnisse der Figuren manifest, sondern auch das Zwanghafte an ihrem Bemühen, kreativ, offen und vielschichtig zu sein. Hübsch unbehaglich.

Ab Fr im Stadtkino (OmU)


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